Diskussion
Sind Innovationen Kinder der Krise?
Mag die jüngste Finanzkrise in den letzten Jahren auch die Welt erschüttert, das Finanzsystem ins Wanken und die Weltwirtschaft in tiefe Rezession geführt haben, so ist sie weder als Ereignis an sich, noch in ihrem Ausmaß neu. Kriege, Revolutionen, Regierungskrisen und auch Wirtschaftskrisen sind Phänomene, die die Menschheit seit jeher immer wieder heimsuchen und beschäftigen. Wenn auch in Deutschland seit 1945 Frieden herrscht und radikale politische Umbrüche kaum zu erwarten sind, nimmt doch die Zahl der ökonomischen Krisen im Zeitalter der globalisierten Wirtschaft deutlich zu.
Welche Auswirkungen haben diese Krisen aber auf den gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Fortschritt unserer Gesellschaft? Bremsen oder verhindern Krisen den Fortschritt? Sind sie nur, wie die Ökonomen Michael Hüther und Thomas Straubhaar behaupten, „Zwischenstopps des Fortschritts“? Beschleunigen sie die Entwicklung oder sind Krisen gar die Ursache des Fortschritts, so wie es Joseph A. Schumpeter mit seinem Konzept der „Schöpferischen Zerstörung“ postulierte?
Vor Allem die wirtschaftlichen Krisen im 20. Jahrhundert und ihrer Auswirkungen auf den ökonomischen sowie gesellschaftlichen Fortschritt sollen beleuchtet werden. Die Erkenntnisse über die Auswirkungen der Krisen auf die Entwicklung der Gesellschaft in der Vergangenheit sollen schließlich im Anschluss eine Prognose über die Zukunft des Fortschritts nach der aktuellen Finanzkrise ermöglichen: Werden wir zurückkehren auf den sagenhaften Aufschwungs- und Wachstumspfad der Neunziger Jahre und den globalen Wohlstand wieder in solch rasantem Tempo steigern können? Oder aber werden wir die falschen Schlüsse aus der Krise ziehen und den Fingerzeig in Richtung Nachhaltigkeit und Ressourceneffi zienz in unserer, dem Menschen eigenen, Hybris ignorieren? Wäre dies eine Entscheidung gegen den Fortschritt, oder würden wir diesen dadurch nur anders gestalten? Diskussion