Diskussion
Die Europa AG – Unternehmen im postnationalen Wirtschaftsdenken
1957 erkannten sechs europäische Staaten mit den Römischen Verträgen: Zusammen schaffen wir mehr. Mehr als 60 Jahre später hat sich die Europäische Union vom Zusammenschluss selbst zu einem Global Player entwickelt. Es verwundert deshalb kaum, wenn sie gelegentlich selbst als Staat angesehen wird.
Doch die Zusammenarbeit ist nicht immer friedlich. Es gibt Erfolgsgeschichten – aber auch Zwist, Uneinigkeit, Protektionismus und Egoismus. Sie scheinen die Skeptiker zu bestätigen, die Zweifel von jung und alt am Funktionieren internationaler Zusammenarbeit. Vielleicht sind wir doch zu verschieden?
Sollen bei Opel Werke geschlossen werden, kämpfen die Gewerkschaften in den einzelnen Ländern fast schon gegeneinander: Stellenstreichungen? Bloß nicht hier! Vorbei ist es mit dem Schulterschluss, sobald es kriselt. Wenn bei EADS die Fertigung des Riesenvogels ins Stocken kommt, dann ist es niemand gewesen. Nicht Toulouse. Nicht Hamburg. Nicht die spanischen, englischen, französischen oder deutschen Zulieferer. Lange Debatten fordern finanziellen und personellen Tribut.
Wir fragen, ob grenzüberschreitende Zusammenarbeit unter dem Strich für Fortschritt sorgt – oder ob nicht doch international operierende nationale Konzerne erfolgreicher sind. Überwiegen die Synergieeffekte die Nachteile der Querelen und Probleme? Ist es nicht doch ein endloser Kampf der Staaten um Kompetenzen, um Macht, um Eigentum? Was passiert, wenn sich der Staat einmischt – wie viel ist nötig, wie viel schädlich? Staat und Politik – selten sind sie so verfl ochten wie bei internationaler Zusammenarbeit – aber verfolgen sie nicht eigentlich völlig verschiedene Interessen?